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ẞß
Das ß (gesprochen Eszett oder scharfes S) ist ein Buchstabe (genauer eine Ligatur) des deutschen Alphabets. Es ist ein Konsonantenbuchstabe und dient zur Darstellung des stimmlosen s-Lautes [s]. Gelegentlich wird es auch als „Straßen-S“, „Buckel-S“, „Ringel-S“, „Rucksack-S“, „Dreierles-S“ oder „Doppel-S“ (Schweiz) bezeichnet. Allerdings wird „Doppel-S“ außerhalb und zum Teil auch in der Schweiz als Buchstabenfolge ss verstanden. Das „ß“ wird heute ausschließlich in der deutschen Sprache verwendet. In der Schweiz[1] sowie in Liechtenstein ist dieses Zeichen außer Gebrauch, bei den deutschsprachigen Minderheiten in Belgien[2], Nordschleswig[3] und Südtirol[4] gelten hingegen dieselben Regeln wie in Deutschland, Österreich und Luxemburg.[5] Die ſs-Ligatur war bis ins 18. Jahrhundert auch in anderen Sprachen gebräuchlich.
EntstehungsgeschichteDas Schriftzeichen ß tritt erstmalig am Ende des 13. Jahrhunderts in gotischen Buch- und Bedarfsschriften auf und dient der Wiedergabe bestimmter s-Laute. Die verschiedenen heute vorkommenden Formen des Zeichens haben mehrere Ursprünge. In einigen gebrochenen Schriften verschmolz die Ligatur aus langem ſ und kleinem z (genauer „z mit Unterschlinge“). In einigen der ab dem 15. Jahrhundert entstehenden Antiquaschriften ist es eine Ligatur von langem ſ und rundem s. Als die Antiqua auch für deutsche Texte angewendet wurde, hatte sich allerdings die Entwicklung der Sprache schon geändert. Als frühestes Vorkommen des ß gilt das „Wolfdietrich-Fragment“, welches um 1300 geschrieben wurde. Eine eindeutige Klärung des Ursprungs des Buchstabens „ß“ gibt es bis heute nicht. Untersuchungen auf breiter Datenbasis und unter Berücksichtigung regionaler, institutioneller und personeller Besonderheiten stehen noch aus. Tironische NotenDer Typograph Max Bollwage mutmaßt[6], dass der Ursprung des Zeichens auf die tironischen Kürzungszeichen „sed“ und „ser“ zurückzuführen sei. Herbert E. Brekle widerspricht[7] dieser These. Die Es-Zett-Ligatur lasse sich bis ins 14. Jahrhundert nachweisen. Die Kürzungszeichen seien nur für eine Übergangszeit „zur Repräsentation des stimmlosen s-Lautes umfunktioniert“ worden, druckschriftlich „setzt sich dagegen in der Schwabacher- und Frakturschrift ab dem frühen 16.Jh. die eigentliche Es-Zett-Ligatur durch.“ S-Laute in der deutschen SpracheIm Zuge der Zweiten Lautverschiebung im 7. und 8. Jahrhundert waren aus germanischem /t/ und /tː/ zwei verschiedene Laute entstanden, die zunächst beide mit zz wiedergegeben wurden. Zur besseren Unterscheidung schrieb man den einen schon bald als sz, den anderen als tz. Der mit ss geschriebene Laut, der auf ein ererbtes germanisches /s/ zurückgeht, unterschied sich von dem mit sz geschriebenen; das ss wurde als stimmloser alveolo-palataler Frikativ [ɕ] ausgesprochen, das sz hingegen als stimmloser alveolarer Frikativ [s]. Auch als diese zwei Laute zusammenfielen, behielt man beide Schreibungen bei. Man brachte sie aber durcheinander, weil niemand mehr wusste, wo ursprünglich ein sz gestanden hatte und wo ein ss. Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich die heute bekannte Verteilung von ss und ß heraus, die mit der ursprünglichen Verteilung der zwei verschiedenen Laute nichts zu tun hat. Die Heysesche s-Schreibung und die Adelungsche s-Schreibung sind zwei konkurrierende Ansätze aus dem 19. Jahrhundert, um wieder einheitliche Regeln zu schaffen. Das ß in den gebrochenen SchriftenBis ins 20. Jahrhundert wurde die deutsche Sprache bevorzugt in gebrochenen Schriften geschrieben. Für eine häufig auftretende Buchstabenkombination aus langem s und z („ſz“, genauer: „ſʒ“) entwickelte sich eine Ligatur, die im Laufe der Zeit wie ein eigener Buchstabe Eszett behandelt wurde. Das ß in der AntiquaDie Theorie des Typografen Jan Tschichold, dass das Antiqua-ß auf eine ſs-Ligatur zurückgehe, hat sich seit den 1940ern weit verbreitet, ist aber nicht unwidersprochen. Für das deutsche Eszett der gebrochenen Schriften wurde erst im 19. Jahrhundert ein Antiqua-Gegenstück entworfen. Dagegen gibt es für eine ſs-Ligatur viel ältere Belegstellen. Die genaue Beziehung des Antiqua-ß zu Eszett und ſs-Ligatur ist umstritten. Die ſs-Ligatur in der Antiqua
Recklinckhuſen, Dorſten, Eſsen: ſs-Ligatur vermeidet doppeltes Lang-ſ – Blaeu-Atlas, Mitte 17. Jahrhunderts
Eine Ligatur aus langem ſ und rundem s war zum Beispiel in englischen oder französischen Antiquaschriften zu finden, bevor das lange ſ im Laufe des 18. Jahrhunderts außer Gebrauch geriet. Auf einigen in Antiqua gesetzten Titelblättern, beispielsweise zu Johannes Keplers Werken, um 1620, wird das ß für jedes ss verwendet. Auch in lateinischer Schreibschrift (Kursivschrift) wurde ß bis Ende des 19. Jahrhunderts gerne durch ſs wiedergegeben [8]. Da das Lang-ſ der Kursivschrift grafisch mit dem h der Kurrentschrift übereinstimmte, wurde die ſs-Gruppe der lateinischen Schreibschrift oft als hs missgedeutet, was sich in exotischen Schreibweisen von Familiennamen niedergeschlagen hat, z. „Grohs“ statt „Groß“ oder „Kalhs“ statt „Kalß“. Das deutsche Eszett in der AntiquaAls im späten 18. und im 19. Jahrhundert deutsche Texte vermehrt in Antiqua gesetzt wurden, statt in der allgemein üblichen gebrochenen Schrift, suchte man eine Antiqua-Entsprechung für das Eszett der gebrochenen Schrift. Die Gebrüder Grimm benutzten in der „Deutschen Grammatik 1. Band“ im Jahr 1819 noch die Fraktur, 1826 allerdings die Walbaum-Antiqua. In späteren Werken wollten sie dann das Eszett durch eine eigene Form des Buchstaben ersetzen, setzen aber schließlich sz in Ermangelung des ihnen vorschwebenden Druckbuchstabens. Der Duden von 1880 empfiehlt[9], das Eszett in Antiqua durch ſs zu ersetzen, lässt aber ausdrücklich auch einen ß-artigen Buchstaben zu. Erst nach der Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung von 1901 ist auch im Antiqua-Satz der Buchstabe ß zu bevorzugen.[10] BuchstabenformFür die Form der Glyphe eines Antiqua-Eszett gab es verschiedene schriftgestalterische Ansätze. Erst im Anschluss an die I. Orthographische Konferenz von 1876 gab es erfolgreiche Bemühungen um eine einheitliche Form. 1879 veröffentlichte das Journal für die Buchdruckerkunst eine Tafel mit Entwürfen. Ein Ausschuss der Leipziger Typographischen Gesellschaft entschied sich für die sogenannte Sulzbacher Form. 1903, nach der Entscheidung für eine einheitliche Rechtschreibung, erkannte eine Kommission von Buchdruckerei- und Schriftgießereibesitzern die Sulzbacher Form an. In einer Bekanntmachung in der Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker beschreiben sie die charakteristischen Merkmale dieser sz-Form: „Das sogenannte lange Antiqua-ſ wird oben mit einem z verbunden, im Kopfe eingebogen und läuft im unteren Bogen in eine feine oder halbstarke Linie oder in einen Punkt aus.“[11] Die Sulzbacher Form wurde und wird aber nicht von allen Typographen akzeptiert. Etwa vier Grundformen finden größere Verbreitung:
Heutzutage sind die meisten ß in Antiquaschriften entweder nach 2. oder nach 4. geformt, doch bisweilen findet sich auch eines nach 3., etwa auf Straßennamenschildern in Berlin und Bonn. Die Variante nach 1. wird selten verwendet.
Rechtschreibung
Aus dem „Buch der Schrift“, Wien 1880.[12]
Das ß dient der Wiedergabe des stimmlosen s-Lautes, der Fortis [s]. Die Abgrenzung zur Verwendung von s, ß und ss zu dessen Darstellung haben sich mit der Zeit gewandelt, zuletzt mit der Rechtschreibreform von 1996. Die Abgrenzung gegenüber der Verwendung von einfachem s ist seit dem späten 19. Jahrhundert im Prinzip gleich geblieben: Einfaches s steht in der Regel unter anderem, wenn innerhalb desselben Wortbestandteils (Morphems) ein weiterer Konsonantenbuchstabe folgt, meist am Wortende von Funktionswörtern (z. B. Pronomina, Präpositionen) und Affixen, oder wenn der s-Laut durch Anhängen eines Vokals stimmhaft wird. Allerdings ist diese Abgrenzung gegenüber einfachem s bis zur Reform 1996 selten in Regeln gefasst worden. Die Abgrenzung gegenüber der Verwendung von ss ist dagegen immer wieder beschrieben worden und wurde 1996 grundlegend neu geregelt, damit einhergehend allerdings auch einige Punkte, die die Abgrenzung zu s betreffen. Historische Konzepte der s-SchreibungDie Handhabung des ß gemäß den Regeln der Rechtschreibreform von 1996 folgt der sogenannten Heyseschen s-Schreibung, die von Johann Christian August Heyse im Jahr 1829 formuliert wurde. Von 1879 an galt sie in Österreich, bis sie im Rahmen der Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung auf der Zweiten Orthographischen Konferenz von 1901 zugunsten der Adelungschen s-Schreibung abgeschafft wurde. Mit der Rechtschreibreform von 1996 wurde sie wiedereingeführt, allerdings ohne das lange ſ.[13] Gemäß den Rechtschreibregeln von 1996Durch die Rechtschreibreform wurde die Darstellung des stimmlosen s-Lautes den für andere Konsonanten geltenden Regeln angenähert: Nach langen Vokalen können grundsätzlich Konsonantenbuchstaben nur einmal stehen, nach kurzen betonten Vokalen stehen grundsätzlich Doppelkonsonanten, wenn im selben Wortbestandteil kein weiterer Konsonantenbuchstabe folgt:
EinzelheitenIn der gesprochenen Standardsprache ist die Aussprache der s-Laute und der vorangehenden Vokale in Fällen wie dass – das, Grieß – Gries(gram), fasst – fast oder biss – bis identisch. Der Text der Rechtschreibreform von 1996 versucht hier erstmals eine umfassende Beschreibung der Verteilung von s, ß und ss, und zwar im Zusammenhang mit den Regeln für die übrigen Laut-Buchstaben-Beziehungen.[14] (Es gab auch schon im Reformtext von 1901 eine relativ ausführliche Beschreibung der Schreibung der s-Laute, die aber in die offiziellen Duden-Regeln keinen Eingang gefunden hat.) Dabei wird die Verwendung von ß nicht mehr wie in früheren Darstellungen primär im Verhältnis zu ss beschrieben, die beide dem Gebrauch von s gegenüberstehen. Vielmehr gilt hier nun gemäß § 25 des Regelwerks ß als besondere Schreibung anstelle von s (für [s]), während ss ganz in Parallele zu den anderen doppelt dargestellten Konsonanten der Markierung des vorhergehenden Kurzvokals (als „Kürzezeichen“) dient, damit also nichts anderes als die verdoppelte Form von s/ß darstellt (§ 2). Vor und nach der Reform von 1996 ist die Setzung von ss oder ß (vergleichbar mit der Setzung anderer Doppelkonsonantenbuchstaben und ihrer einfachen Pendants) dem Wechsel der Vokalquantität untergeordnet. Dies bedeutet, dass der sogenannte paradigmatische Zusammenhang (also die Konstantschreibung von Morphemen) an Ausspracheunterschieden und den Regeln für deren Darstellung seine Grenzen hat (vgl. essen, aber aßen, entsprechend treffen, aber trafen). Definition der Schreibung der s-Laute gemäß RegelwerkNach den „grundlegenden Laut-Buchstaben-Zuordnungen“ bei den Konsonanten (§ 22) gilt s als die grundlegende Zuordnung sowohl für den stimmhaften als auch für den stimmlosen s-Laut. Damit sind dann für den stimmlosen s-Laut Schreibungen wie fast, knuspern, Skat, kosmisch, hopsen, Psalm abgedeckt (also die Position vor Konsonanten und nach stimmlosen Konsonanten). Im Abschnitt „Besondere Kennzeichnung der kurzen Vokale“ wird in § 2 ss als verdoppelte Form von s zur Kennzeichnung von kurzen Vokalen (ganz in Parallele zu den anderen verdoppelten Konsonantenbuchstaben) erklärt (Hass, bisschen, wessen, dass wie Bann, Männchen, nennen, dann). Dass die doppelten Konsonantenbuchstaben auch in Ableitungen erhalten bleiben (fasst, fällt), ist in den „Vorbemerkungen“ unter Punkt (2.2) als allgemeines Phänomen des Deutschen beschrieben worden (weitgehende Konstantschreibung der Morpheme). Im genannten Abschnitt zur Verdopplung finden sich auch in § 5 die Regeln für den Wechsel Zeugnis – Zeugnisse, Kürbis – Kürbisse, der in Parallele mit dem Wechsel Ärztin – Ärztinnen gesehen wird, und die Verwendung von ss in Fremdwörtern. Im selben Abschnitt wird in § 4 außerdem beschrieben, in welchen Fällen die Verdopplung unterbleiben kann: unter anderem bei „eine[r] Reihe einsilbiger Wörter mit grammatischer Funktion“. So wird deutlich, dass das, ab, an, um, mit, es usw. ausnahmsweise nicht mit ss, bb, nn, mm usw. geschrieben werden (das ist in der Tat keine eindeutige Regel, da es daneben auch „einsilbige Wörter mit grammatischer Funktion“ wie dann, wann und nach neuer Rechtschreibung auch dass gibt). In § 25 („Besonderheiten bei [s]“) wird ß als besondere Schreibung (anstelle von s) in bestimmter Umgebung eingeführt: „nach langem Vokal oder Diphthong“, „wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt“ (so ist also geregelt, dass Straße, Grieß, außer, Strauß usw. mit ß geschrieben wird, aber fast, knuspern, Skat, kosmisch, hopsen, Psalm, Wüste, Austern eben nicht). Unter dem Abschnitt zur „Auslautverhärtung“ (§ 23) werden die Schreibungen mit s anstelle von ß abgehandelt, die sich (wie auch bei b, d, g, v anstelle von p, t, k, f) aufgrund der im Deutschen üblichen Auslautverhärtung erklären lassen. Im selben Abschnitt (§ 23, E2) findet man außerdem noch Beispiele, wo ausnahmsweise b, d, g, s, v zu finden sind, obwohl nach den im Reformtext formulierten Regeln eigentlich p, t, k, ß, f zu erwarten wären (das deckt dann besondere s-Schreibungen wie Gries(gram) ab). Dass manchmal orthographische Ausnahmeschreibungen auch zur Unterscheidung von Bedeutungen verwendet werden können (das – dass, Gries- – Grieß), ist ebenfalls in den „Vorbemerkungen“ abgehandelt. Dass ß/ss im Gegensatz zu s nur in diesem begrenzten Umfange verwendet wird (begrenzter als beispielsweise p/pp oder k/ck in Bezug auf b und g), ist wie so vieles in der Schreibung reine Konvention, historisch gewachsen und bisher von einer Reform nicht grundsätzlich angetastet worden. Die ausschließliche Kopplung an die Vokalquantität im Wortlaut des Reformtextes hebt die Regel allerdings von der Regelung für die anderen Konsonanten ab, die in Präpositionen und Vorsilben weiterhin auf Doppelkonsonanten verzichtet, beispielsweise ab, in und un-, aber miss-. Schreibungen geographischer Namen wurden nicht angetastet. Strenggenommen außerhalb der Reformregel steht die Verwendung des ß in dreißig, da das ß hier anders als bei fleißig nicht zum Stamm sondern zum Suffix gehört. Kritik an den neuen ß-RegelnDie Gegner der neuen ß-Regeln stören sich vor allem am veränderten Schriftbild, das in zahlreichen Fällen auch die Lesbarkeit verschlechtere, nämlich:
Zur Erleichterung dürfen einige der betroffenen Wörter gemäß § 45 des reformierten Regelwerks mit Bindestrich geschrieben werden, z. B. Mess-Ergebnis, Bass-Solo, Ausschuss-Sitzung. Dies dient der leichteren Lesbarkeit, wobei im Fall von Dreifachkonsonanten der Bindestrich zur Eindeutigkeit nicht benötigt wird, da die Silbengrenze immer zwischen dem zweiten und dem dritten Konsonanten liegt. In geringerem Maße gab es Bindestrichlösungen auch schon vor der Reform, wie beispielsweise bei Tee-Ei, Druckerzeugnis = Druck-Erzeugnis oder Drucker-Zeugnis. Manche empfinden den Bindestrich als aufdringlich und daher als Lesestörung. In zusammengesetzten Wörtern führt er überdies dazu, dass eine Durchkopplung nötig wird, beispielsweise in Mess-Schieber-Skala, sodass das ursprüngliche Wortbild noch stärker verändert wird. Ein ch kann auch auf ein einfaches s folgen: Kreischen (Kreis-chen für „kleiner Kreis“ oder Krei-schen für „Schreien“); dieses Problem existierte seit der Aufgabe des ſ (davor Unterscheidung Kreischen/Kreiſchen) bereits vor der Rechtschreibreform. Ganz neu sind die Dreifachkonsonanten allerdings nicht; wenn der erste Wortteil mit einem Doppelkonsonanten endete und der zweite mit einer Konsonantengruppe begann, mussten schon bisher ein Konsonant dreimal hintereinander stehen: Fetttröpfchen, Klapppfosten, SCHLOSSSTRASSE (Versalschreibweise für Schloßstraße). Seit der Reform gibt es Dreifachbuchstaben allerdings wesentlich häufiger. Das für die Rechtschreibregeln zur Schreibung von doppelten Konsonantenbuchstaben zentrale Kriterium der Vokallänge ist vor allem in der Diskussion um die Darstellung der ß-Regeln immer wieder als problematisch bezeichnet worden, da die Vokallänge in verschiedenen Teilen des deutschen Sprachgebiets nicht mit den Verhältnissen in der Standardsprache übereinstimmt (z. B. bairisch „gspassig“ = spaßig, „miaßen“ = müssen). Regionale Abweichungen der Vokallänge von der orthografisch dargestellten Regelaussprache gibt es aber auch vor anderen Konsonanten („kaffa“ = kaufen, norddt. Trab wie „Trabb“, Bad wie „Badd“, Gras wie „Grass“). Es ist umstritten, ob die Veränderung der ß-Schreibung wirklich die angestrebte und behauptete Lernerleichterung gebracht hat. Eine Studie des Leipziger Lernpsychologen Prof. Harald Marx, die die entsprechenden Rechtschreibleistungen von Grundschulkindern vor und nach der Reform vergleicht, gibt keinen Aufschluss darüber. Zwar hätten die Fehler im Bereich s-Laut-Schreibung seit der Reform deutlich zugenommen, doch dies könne auch daran liegen, dass die Schüler außerhalb der Schule oft in Kontakt mit der traditionellen Rechtschreibung kamen. Zur ausführlicheren Diskussion siehe auch Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996: Pro und Kontra, Abschnitt „ss-ß-Schreibung und Dreifachbuchstaben“. Gemäß den Rechtschreibregeln von 1901Die seit der Rechtschreibreform von 1901 bis zur Rechtschreibreform von 1996 allgemein verwendete ß-Regelung geht in ihrer Beschreibung auf den Orthographen Johann Christoph Adelung zurück, deshalb spricht man auch von der Adelungschen s-Schreibung; obwohl es bei einzelnen Wörtern Änderungen gab (Adelung ging z. B. noch von der Schreibung Geheimniß aus). In einer Neufassung wurde diese Festlegung der Verteilung von ß, ss und s durch die Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung auf der Zweiten Orthographischen Konferenz von 1901 Grundlage der für Schulen und Ämter in deutschsprachigen Staaten verbindlichen Rechtschreibung, war aber schon vorher weit verbreitet. Gemäß der von 1901 bis 1996 gültigen Regelung wird in den folgenden Fällen „ß“ geschrieben:
ss dagegen nur:
Ein durch Fortlassung ans Wortende gerutschtes ss bleibt nach den traditionellen Regeln nur erhalten, wenn die Auslassung durch einen Apostroph gekennzeichnet wird: (ich) lass’, aber: laß! (Imperativ). Allerdings wurde diese Regelung auch in offiziellen und öffentlichen Texten nicht immer beachtet, z. B. Freßgass (Frankfurt am Main). Davon abgesehen kommt ss am Wortende nur in Kunst- oder Eigennamen/-bezeichnungen vor (Neuss (benannte sich 1968 um), Heuss, Grass – Günter Grass (im Ausweis steht „Graß“)). In der adelungschen s-Schreibung richtet sich somit die Verteilung von ß und ss teils nach graphotaktischen Kriterien (Berücksichtigung der graphischen Umgebung: Wortende, Wortfuge oder folgender Konsonantenbuchstabe) und teils nach dem Kriterium der Aussprache (Berücksichtigung der Länge des vorangehenden Vokals). Äquivalent formuliert steht ss immer dann, wenn der s-Laut ambisyllabisch ist.[15] Bei der Worttrennung kann ss immer in s-s getrennt werden, ß dagegen nie, auch dann nicht, wenn es behelfsweise durch ss ersetzt wird. Historischer Vergleich als TabelleLigaturen des Fraktursatzes sind nicht als solche dargestellt, um ihre Elemente möglichst getreu wiederzugeben. So ist das heute übliche Antiqua-ß hier nur für Lateinschreibung seit dem 20. Jahrhundert verwendet.
In der Schweiz und in LiechtensteinIn der Schweiz und in Liechtenstein ist das ß seit 1906 (im schweizerischen Bundesblatt ersichtlich) stufenweise außer Gebrauch geraten und wurde mit der Reform von 2006 auch offiziell für den amtlichen Schriftverkehr abgeschafft.[1] So entschied die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich, das ß vom 1. Januar 1938 an in den kantonalen Volksschulen nicht mehr zu lehren. Andere Kantone folgten. Mitauslöser dieser Entwicklung soll die zunehmende Verbreitung der Schreibmaschine gewesen sein. Da mit der Schweizer Einheitstastatur auch französische und italienische Texte geschrieben werden, wurden die Tasten für ß und die großen Umlaute mit französischen Buchstaben (ç,à,é und è) belegt. Diese Begründung ist bislang nicht belegt.[1] Als letzte schweizerische Tageszeitung entschied die Neue Zürcher Zeitung, ab dem 4. November 1974 auf das ß zu verzichten. Schweizer Verlage, die für den gesamten deutschsprachigen Markt produzieren, verwenden das ß weiterhin. Anstelle von ß wird in der Schweiz immer ss geschrieben. ss steht damit – im Gegensatz zu anderen Doppelkonsonantenbuchstaben – nicht nur nach manchen Kurzvokalen. Wie bei anderen Digraphen (z. B. ch) ist die Länge oder Kürze des vorangehenden Vokals nicht erkennbar (Masse steht sowohl für Maße wie für Masse, Busse steht sowohl für Buße wie für Busse; vgl. hoch und Hochzeit, Weg und weg). Es gibt Versuche, das Fehlen des ß in der Schweiz mit sprachlichen Besonderheiten der Schweizer Dialekte zu erklären.[16] Diese Erklärungsversuche sind aber ebenso wenig belegt wie der rein pragmatische Erklärungsversuch über die Schreibmaschinentastatur. Unabhängig von diesen Erklärungen wird das „Eszett“ in der Schweiz heute als überflüssige deutsche Kuriosität wahrgenommen, die man zwar lesen kann, für das aber üblicherweise jegliches aktive Gefühl in der Anwendung fehlt.[17] Daher war es in der Schweiz bei der Worttrennung schon länger üblich, ss auch dann in s-s aufzutrennen, wenn es als Ersatz für ß steht (außer im Auslaut), obwohl dies in traditioneller Rechtschreibung nicht richtig war. Beispielsweise wird das Wort Strasse (für Straße) in Stras-se getrennt (in traditioneller Rechtschreibung als Stra-sse analog zu Stra-ße). Diese schweizerische Trennung wurde mit der Rechtschreibreform von 1996 als allgemeine Regel übernommen (§ 108 (1996) bzw. § 110 (2006)). In der Mobiltelefonkommunikation mit SMS wird teilweise ß verwendet, allerdings unter Außerachtlassung jeglicher orthographischer Regeln. ß spart lediglich einen Buchstaben ein. Ersatzformen
Kleinschrift mit ß, Ersetzung durch ss (nur zulässig, wenn kein ß vorhanden), Kapitälchen mit SS, Kapitälchen mit ß, Kapitälchen mit Versal-ß.
Im deutschsprachigen SatzHeute darf nach der Rechtschreibung im deutschsprachigen Satz das ß nur durch ss wiedergegeben werden, wenn in einer Schrift oder Zeichensatz das ß nicht vorhanden ist. Manuskripte ohne ß müssen deshalb den Regeln entsprechend umgesetzt werden. In der Schweiz kann das ß immer durch ss wiedergegeben werden.[1][18] Im fremdsprachigen SatzWenn ein deutsches Wort mit ß latinisiert wird oder wenn ein deutscher Name mit ß im fremdsprachigen Satz erscheint, dann bleibt das ß erhalten, z. B. Madame Aßmann était à Paris.[18] Großschreibweise
Beim Satz deutschsprachiger Texte in Versalien oder Kapitälchen tritt das Problem eines fehlenden Großbuchstaben „ß“ auf. Nach den heutigen Rechtschreibregeln existiert kein Großbuchstabe zum ß: „Jeder Buchstabe existiert als Kleinbuchstabe und als Großbuchstabe (Ausnahme ß).“[19] Frau Dr. Kerstin Güthert, Geschäftsführerin des Rats für deutsche Rechtschreibung, schreibt dazu:
Großschreibweise mit Ersetzung von ß durch SSDie heutigen Rechtschreibregeln schreiben vor, im Versalsatz das „ß“ durch „SS“ zu ersetzen („Weiß“ wird zu „WEISS“). Ursprünglich hatte der Duden bei Großschreibweise die Ersetzung durch „SZ“ vorgesehen.[21] Diese Schreibung wurde später zugunsten der Schreibung mit „SS“ auf diejenigen wenigen Fälle begrenzt, in denen Verwechslungen möglich sind (z. B. „Maße“ → „MASZE“ gegenüber „Masse“ → „MASSE“.[22]) In der reformierten Rechtschreibung von 1996 wurde die Ersetzung durch „SZ“ ganz abgeschafft. Im April 2008 wurde der Weg zu der Einführung eines ß-Großbuchstaben geebnet, siehe unten. Mischschreibweise mit Benutzung des Kleinbuchstaben-ßIn Dokumenten kann bei Namen aus Gründen der Eindeutigkeit nach den aktuellen Rechtschreibregeln auch bei Großbuchstaben das ß verwendet werden. Heinz Große → HEINZ GROßE.[23] Um Verwechslungen zu vermeiden, ist nach deutscher Gesetzgebung bei Personaldokumenten und der Einkommensteuererklärung die Verwendung von ß bei Namen in Deutschland vorgeschrieben. Auch die Deutsche Post AG rät, beim Ausfüllen von Formularen in Großbuchstaben das Eszett beizubehalten. In der Praxis existiert deshalb eine gemischte Schreibweise, bei der das kleine „ß“ auch im Versalsatz erhalten bleibt („Weiß“ wird zu „WEIß“), obwohl es ein Kleinbuchstabe ist. Dies führt zu einem typografisch unkorrektem Wortbild, weil die Formen der Groß- und Kleinbuchstaben sich in Breite, Höhe und Strichdicke unterscheiden. Großschreibweise mit Versal-EszettSeit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es immer wieder Ansätze, das deutsche Alphabet um eine Großbuchstabenform des ß zu ergänzen. Am 4. April 2008 wurde auf Initiative des Deutschen Instituts für Normung (DIN) der Unicode-Zeichensatz offiziell um den Großbuchstaben des ß erweitert.[24] Mit der Veröffentlichung des Zusatzes 4:2008 zur Norm ISO/IEC 10646 am 23. Juni 2008 ist das Große ß nun auch internationaler Standard.[25] Damit ist es nun technisch möglich, den Buchstaben ß auch in Großschreibweise zu verwenden. Dies hat bislang aber noch nicht zu einer Änderung der deutschen Rechtschreibregeln geführt. Der Verlag Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, der den Duden herausgibt, erklärte dazu im Duden-Newsletter vom 22. August 2008, dass „die Forderung nach einem großen Eszett durchaus verständlich“ ist.[26] Besonderheiten der VerwendungAlphabetische SortierungIn der alphabetischen Sortierung (DIN 5007) wird das ß wie ss behandelt. Bei Wörtern, die sich nur durch ss bzw. ß unterscheiden, kommt das Wort mit ss zuerst, z. B. Masse vor Maße (DIN 5007, Abschnitt 6.1); der Duden weicht in dieser Hinsicht von der Norm ab: hier kommt das Wort mit ß zuerst. In DokumentenSchwierigkeiten treten beispielsweise beim Reisepass in Österreich auf, da Namen dort in der gleichen Schreibweise wie im Geburtsschein stehen müssen. So steht der reguläre Name mit ß, während er in den Zeilen darunter in der Computerdarstellung mit SS geschrieben steht. Im unkundigen Ausland kam es deshalb schon zu Schwierigkeiten bei Grenzbehörden, da diese eine Fälschung vermuteten. NiederlandeObwohl der Buchstabe im Niederländischen nicht benutzt wird, hat er dort einen eigenen Namen – Ringel-S. Englischsprachiger RaumIm englischsprachigen Raum, in dessen Alphabet der Buchstabe nicht vorkommt, wird das ß bei manchen wegen seiner Form umgangssprachlich als German B (deutsches B) bezeichnet. Gelegentlich wird er auch mit dem griechischen Buchstaben β (beta) verwechselt. Die korrekte Bezeichnung im Englischen lautet allerdings Sharp S oder Eszett wie im Deutschen. Darstellung in Computersystemen und ErsetzungIm Computerbereich wird das ß oft als Umlaut bezeichnet, da es die gleiche Art von Problemen hervorruft wie die echten Umlaute: Es ist vor allem nicht in ASCII enthalten, dem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ so gut wie aller Zeichensätze. Daher wird es in verschiedenen Fällen verschieden kodiert. KodierungIm ASCII-Zeichensatz aus dem Jahr 1963 ist das Zeichen nicht enthalten, weshalb viele ältere Computersysteme es nicht darstellen konnten. Allerdings enthielt bereits die ASCII-Erweiterung ISO 8859-1 (auch als Latin-1 bekannt) 1986 das Eszett. Fast alle modernen Computer verwenden den im Jahr 1991 eingeführten Unicode-Standard, womit das Eszett problemlos zu verarbeiten und darzustellen ist. Lediglich einige Programme, die noch auf älteren Zeichensätzen beruhen, können beim Datenaustausch Probleme bereiten. Das ß wird folgendermaßen definiert und kodiert:
TastaturNur auf der deutschen Tastatur liegt die Eszett-Taste in der oberen Tastenreihe zwischen der Taste für die Ziffer Null und der Taste für den Akutakzent. Und wie die amerikanische Tastatur verfügt auch die schweizerische Tastatur über keine standardisierte Taste für das Eszett. Auf der niederländischen Tastatur und der US-internationalen Tastaturbelegung kann es allerdings über AltGr+S eingegeben werden, was beim schweizerdeutschen Layout jedoch genauso wenig möglich ist.[27] Ersetzung und ähnliche ZeichenKann das Zeichen „ß“ nicht dargestellt werden, weil es in der verwendeten Schriftart oder dem Zeichensatz fehlt, so sollte es durch „ss“ ersetzt werden (aus „Straße“ wird „Strasse“). Die Ersetzung durch „β“ (Beta) oder „B“ ist nicht mehr üblich. In den (behördlichen) Fernschreiben wurde das „ß“ bis in das frühe 21. Jahrhundert durch „sz“ ersetzt. Dies war unter anderem bei Familiennamen wichtig („Straßer“ wurde im Text zu „Straszer“). Bei der Zollverwaltung wurde im Fernschreibverkehr das „ß“ durch „:s“ ersetzt um zwischen Familiennamen wie etwa Strasser, Straszer und Straßer zu unterscheiden. Die Schreibung „sz“ gibt es noch im Ungarischen. Da allerdings nahezu alle modernen Computersysteme und -schriften auf Unicode basieren, kann das Eszett heutzutage theoretisch weltweit dargestellt, verarbeitet, übertragen und archiviert werden. Eine Ersetzung aus technischen Gründen ist deshalb nur noch selten nötig. Auch wenn auf der verwendeten Tastatur das Zeichen nicht aufgedruckt ist, kann es meistens über eine entsprechende Tastenkombination des Betriebssystems oder des jeweiligen Texteditors eingefügt werden (z. B. bei Windows: Alt + 225 oder Alt + 0223; bei Linux/X: Alt Gr + S; bei MacOS: Alt + S). Bei dem Textsatzprogramm LaTeX kann das „ß“ mit "s (german.sty) oder \ss umschrieben werden. VerweiseEinzelnachweise
Literatur
Weblinks
Siehe auchAa Bb Cc Dd Ee Ff Gg Hh Ii Jj Kk Ll Mm Nn Oo Pp Qq Rr Ss Tt Uu Vv Ww Xx Yy Zz (für darauf basierende Buchstaben mit diakritischen Zeichen u. a. siehe Liste lateinisch-basierter Alphabete)
Questions for article: eszett, eszett 1e9e, nussschokolade esssaal, эсцет в tex, schriftmuster fraktur, scrittura gotica schwabacher, גרמאנית |
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